Sonntag, 26. Juli 2020

~26.07.20~ Was will ich und wer bin ich?

Wie finde ich heraus, was ich WIRKLICH will und was gut für mich ist? Ich will so viel und doch irgendwie nichts. Ich will reisen, ich will ortsunabhängig arbeiten und die Welt bereisen, ich will im Tourismus und in der Entwicklungshilfe arbeiten, im Tier und Umweltschutz, ich will meine eigene Kita eröffnen, ich will eine Familie gründen, ich will erfolgreich und unabhängig werden, ich will genug Geld verdienen, um einfach sorgenlos leben zu können, ich will im Personalmanagement oder in der Logistik arbeiten, ich will selbstständig sein, ich will mit Tieren arbeiten und Hundetrainer werden, ich will Jurist werden und für Gerechtigkeit kämpfen, ich will, ich will, ich will so viel und irgendwie doch nichts. Ja so sieht meine Kriese aus, in der ich gerade stecke. Möglicher Weiße klingt das für dich nicht wie eine Kriese, aber es ist eine und zwar eine fundamentale, die die Existenz betrifft. Die Arbeit stellt die Existenz sicher und die Arbeit füllt den Hauptteil der Woche und somit auch des Lebens. Deshalb sollte der Job Spaß machen und idealer Weiße etwas sein, in dem man aufgeht, das einem Kraft gibt und wo man gerne Energie und Zeit investiert. Ich bin in der Situation, dass ich verschiedenste Interessen habe und sie nicht zusammen führen kann. Ich komme nicht zum Punkt, ich finde nicht das Eine, das mich besonders erfüllt, das Eine, das ich langfristig machen will. Immer wieder kommen Situationen in denen ich denke "Ja das will ich machen, ich werde das machen". Ich höre von Animal Hoarders und will im Tierschutz arbeiten, höre von schwer vermittelbaren Hunden und will Tiertrainer und Therapeut werden, ich höre von der Zerstörung der Natur und der Gefährdung und dem Sterben von Tieren und will in den Umwelt und Tierschutz, ich arbeite bei meinem Saisonjob oder lese über Reiseunternehmen, sehe die Seiten von Urlaubsparks, lese oder sehe Videos über nachhaltigen Tourismus und ich will in den Tourismus und am Liebsten ein eigenes Feriendorf aufbauen. Ich höre von Projekten für Jugendliche, die tolle Erfolge zeigen und will in die Jugendarbeit, ich höre von Situationen im Jugendamt und will dort arbeiten, ich höre von gutem Gehalt im Bereich der Logistik und dem Personalmanagement und will dort hin, weil ich ja auch gerne plane und organisiere. Ich höre von Menschen, die mit ausgebauten Vans Weltreisen machen und als Digital Nomads leben und ich will das machen, ich will ausziehen und eine eigene Wohnung haben aber eigentlich will ich auch in einem Wohnwagen und in einem tiny House leben und eigentlich will ich ja sowieso zu Hause bleiben, um mehr vom Leben unseres jungen Briards mit zu bekommen, aber ich will so wohnen, dass meine Katzen Freilauf haben können und will eigentlich nicht mehr mit meiner Mutter zusammen wohnen aber eigentlich auch nicht die ganze Zeit alleine sein. Ich will eigentlich was Handwerkliches machen um etwas zu erschaffen und mir mein eigenes Tiny House zu bauen aber eigentlich ist das zu anstrengend, ich will in die Entwicklung und Forschung zu alternativen Brennstoffen und Stromerzeugung sowie Speicherung aber bin viel zu schlecht in Mathe. Und überhaupt bin ich sowieso inkompetent und sollte einfach stumpf vor mich hin arbeiten als kleine Erzieherin in einer Gruppe, wie so viele Andere, weil ich nichts Besonderes bin und mir viel zu viel auf mich einbilde. Denke ich könnte wirklich was verändern, das Leben zumindest für ein paar Leute besser machen.
Wie kann ich heraus finden, was ich wirklich will und was wirklich das Richtige für mich ist?

~26.07.20~ Wie weiß ich, wann ich sterben sollte?

***TRIGGERWARNUNG BEHANDELT SUIZID***
Gibt es einen Moment, einen Punkt im Leben, in dem man sagt "Es reicht, ich habe alles versucht, nichts hilft, es ist Zeit zu sterben" und das auch wirklich weiß? Gibt es so was oder sind das nur Phasen? Woher weiß man, dass man alles versucht hat? Woher weiß ich, dass jetzt die Zeit gekommen ist, meinem Leben ein Ende zu setzen? Ich weiß es nicht, aber ich hatte heute, vorhin um genau zu sein, eine solche Situation. Ich war am Ende, ich war überzeugt, mir kann keiner helfen und mein Leben ist sinnlos, ich war frustriert, weil ich nicht weiß, was ich will, wo mein Weg hin gehen soll, was ich brauche und wie ich diesen Zustand endlich beenden kann. Meine einzige Lösung in dieser Situation war, mir das Leben zu nehmen. Aber ich schreibe gerade diesen Text, also kann ich wohl nicht tot sein. Was ist also passiert? Nichts. Ich habe unter der Dusche einen kurzen Heul-krampf bekommen und war am Ende, wollte nicht mehr. Es war für mich vorbei, Ende, genug. Aber ich hab nach der Dusche einfach weiter gemacht und erstaunlicher Weise (so kenne ich das auch nicht) wurde es sehr schnell wieder besser. Ich lag im Bett und schaute mir ein Live-Video von Takis Shelter an. (Sehr zu empfehlen übrigens) Und als ich da so lag, mit meiner Katze bei mir und zu schaute, wie Takis sich um die vielen Hunde kümmert und niemals aufgibt, ging es mir einfach so besser. Ich habe meinen Katzen ihr Futter gerichtet (sie bekommen 2x täglich Nassfutter abends mit Medikamenten und ich wiege das Nassfutter und auch das Trockenfutter vor und nach dem Auffüllen um immer einen Überblick zu haben, wie viel meine Katzen essen. Jeder hat einen Sure Feed) und habe mit meiner Mutter wieder normal reden können und habe normal auf die Tagesschau reagiert. Mir geht es jetzt so gut, wie es mir vor meinem extremen Tief ging. Nicht dass es mir jetzt gut geht, aber ich will nicht mehr sterben. Ich sehe meine Katzen an und denke "Nein ich kann sie nicht verlassen". Meine Katzen lieben mich. Die Eine - Maya - hat noch meinen Bruder als zweiten Lieblingsmenschen den sie wohl als Alternative akzeptieren würde, bevorzugt aber mich. Milou hingegen wird sehr unsauber wenn ich länger nicht da bin. Sie hatten weniger Probleme mit einem Ortswechsel, als wenn ich nicht da war aber sie in ihrer gewohnten Umgebung blieben. Hätte ich meine Katzen nicht, denke ich, ich hätte wohl zumindest schon einen Versuch hinter mir. Jetzt haben wir ja auch einen jungen Briard und auch wenn meine Beziehung zu ihr noch nicht richtig ausgeprägt ist (vermutlich weil ich wenig mit ihr mache und meine Gefühle ohnehin ziemlich abgestumpft sind) will ich doch sehen, wie sie sich entwickelt und will bei ihr sein, will ihr Leben begleiten.
Es ist schon was wahres dran, wenn gesagt wird, Tiere sind die besseren Menschen. Sie können oft so viel besser für einen da sein, als andere Menschen. Ich bin ohnehin allein, wenn ich meiner Mutter irgendwas sage, fängt sie entweder an über ihre Probleme zu reden oder sagt so was wie "Ach nein, sag nicht so was, es ist ja nicht alles blöd" oder so. Ich denke, sie weiß auch einfach nicht, was sie sagen soll und wie sie mir helfen kann. Nicht ihre Schuld, es macht mich aber trotzdem immer wieder wütend weil es sich in der Situation so anfühlt, als würde sie mich einfach gar nicht ernst nehmen und verstehe den Ernst der Situation nicht.
Na ja back to topic. Woher weiß ich denn jetzt, wann ich alles versucht habe, wann der Zeitpunkt gekommen ist, mir das Leben zu nehmen? Ich denke es ist schwer zu wissen, ob man wirklich alles versucht hat. Man weiß bei Depressionen auch nicht, ob es besser werden kann, so bleibt oder gar noch schlimmer wird. Es ist nicht so eindeutig wie z.B. bei einer Krebserkrankung. Chemo und Strahlentherapie helfen nicht und auch alle anderen Behandlungen helfen nicht, dann hat man alles versucht und nichts hilft. Dann weiß man sicher, dass man nichts tun kann. Aber diese Menschen wollen in der Regel nicht sterben, ein suizidaler Mensch, will nicht mehr leben, weiß aber nie, wann der Punkt erreicht ist, wo nichts mehr geht. Vermutlich erst, wenn er den erreicht hat, weiß er es. Aber jeder der mal suizidal war oder es ist, weiß, dass es immer wieder Tage und Momente gibt, in denen man denkt, es geht nicht mehr und überzeugt ist, dass jetzt der Moment gekommen ist, das Leben zu beenden. Und jeder kennt es, dass relativ kurz danach diese Überzeugung nicht mehr ganz so überzeugt ist. Nicht, dass es einem besser geht, aber man will sich auch nicht mehr akut umbringen.
Kann ein Mensch glücklich werden, der schon seit der frühen Kindheit an tiefen chronischen Depressionen leidet? Wenn das hier jemand liest, dem es so ging und der jetzt glücklich ist, darf mich gerne kontaktieren, ich würde gerne wissen, wie er es geschafft hat denn ich selbst glaube ehrlich gesagt nicht daran, dass es möglich ist wirklich glücklich zu werden.

Montag, 6. Juli 2020

Ein neuer Morgen eine neue Woche

Es wäre schön, wenn ich sagen könnte, es ginge mir gut und meine Woche hätte gut angefangen. Mir geht es aber noch immer sehr be...scheiden und meine Woche hat auch nicht gut angefangen. Wobei das ehrlicher Weise mit meiner Mutter tatsächlich leider auch schwer ist. Sie hat ein echtes Talent dazu, einem die Laune zu vermießen und über zu reagieren. Sie ist ständig genervt und on Edge wie es im Englischen so passend heißt. Heute hat sie mich zusammen gestaucht, weil ich die Nachrichten, die sie ja unbedingt jeden Morgen gucken muss, kommentiert hab. Ich bin nun Mal kein Fan von Deutschland und dessen Arbeitsweise. In diesem Moment war ich aber eigentlich ohnehin mehr mit dem Hund beschäftigt und es bezog sich gar nicht wirklich auf den Beitrag. Wenn man aber nicht Mal ooooch sagen darf, dann ist irgendwas falsch. Nicht bei mir. Sie hatte mir vor kurzem auch gesagt, dass sie meine Gefühle im Moment nachempfinden kann, weil sie auch depressiv ist. (Und ja es ging dann schon Wieder um sie) Ich vermute also, dass sie so mies drauf ist, weil sie aktuell "depressiv" ist oder sich halt nicht gut fühlt. Wäre ich immer so in Edge "nur" weil ich depressiv bin, könnte man mit mir nie normal reden. Aber sie darf das. Ich nicht versteht sich. Ohnehin scheint sie gar nichts zu verstehen wie es mir geht und wie es ist, nicht zu wissen, wie man glücklich ist und glücklich wird. Sie kommt immer nur mit Meditation als wäre das die ultimative Lösung. Als hätte es sie fundamental verändert. Sie hat sich sehr verändert, aber sie rafft immer noch nicht, dass sie mich unfair behandelt, Ich-zentriert ist und egoistisch ist. Sie hat in der Realität meines Empfindens nach null Verständnis für meine Situation. Ich sag ihr ich bin in einer Lebenskrise und sie macht sich mehr oder weniger darüber lustig und kommt mit dummen Kommentaren. Ja es mag keine Midlife-Crisis sein, aber die Gefühle und das Problem sind die gleichen, wenn nicht sogar noch akuter.

Donnerstag, 2. Juli 2020

~02.07.20~ Ein weiterer Tag

Mit chronischen Depressionen leben zu müssen, ist scheiße. Heute ist Mal wieder einer dieser Tage, an denen ich extrem kurz davor war, zu versuchen, mein Leben zu beenden. "Leider" ist das Medikament, das von unserem Epileptiker Hund übrig ist, schon für Kinder ab 6 Monaten und meinen Recherchen nach, ist es auch Überdosiert nicht lebensgefährlich. In meinen weiteren Recherchen habe ich aber eine überraschende Alternative gefunden, die schmerzlos und schnell sein soll. Das benötigte Material ist auch nicht verschreibungspflichtig. Ich würde es mir ja bestellen, aber leider hab ich immer noch etwas in mir, was dann einen Rückzieher macht.
Aber wieso will ich sterben? Stell dir vor, du weißt nicht, wie es sich anfühlt, wirklich glücklich und zufrieden zu sein. Dann hast du noch einen sozialen Beruf und deine aktuelle Arbeitsstelle ist bescheiden. Wo nur das Negative auffällt und man ständig korrigiert wird. Dann mache ich ja auch ein Fernstudium Soziale Arbeit. Hier bin ich auch wenig erfolgreich. Im Praktikum komme ich mir die letzten Tage auch wie ein unfähigen Depp vor. Ohnehin ist es raus geschmissenes Geld und Zeit, was soll ich damit anfangen, wenn ich nicht Mal vernünftig als Erzieherin arbeiten kann? Ich bin müde, so unglaublich müde, ich will einfach nicht mehr. Alles ist für mich sinnlos geworden und ich habe das Gefühl, ich bin überall der Depp, der ohnehin nichts auf die Reihe bekommt. Ich kann nichts wirklich und bekomme nichts wirklich auf die Reihe. Ich habe nichts, was mich besonders macht, ich bin ersetzbar durch Leute, die es besser können als ich. Die netter sind, kompetenter, leistungsfähiger, gut aussehend, selbstbewusster, eigenständiger... Es gibt nichts, was mich besonders auszeichnet, außer meine Depressionen. Ich habe eine instabile Gefühlswelt und bin nur wenig belastbar, ich werde schnell gestresst und dann auch schnell unfreundlich und unsanft. Ich habe ein soziales Defizit wenn es zur Interaktion mit anderen Menschen kommt, Kommunikationsprobleme, über hundert Narben, ein pickeliges Gesicht und unförmige Körperproportionen. Ich habe kein soziales Umfeld und bin nie irgendwo wirklich wichtig oder eine Ansprechperson. Ich bin die, die mit läuft, Anweisungen befolgt und grimmig oder depremiert guckt. Ich bin die, die Sachen vergisst, obwohl sie schon längst Routine sein sollten. Ich bin die, die sich selbst nicht leiden kann, an sich selbst zweifelt und aus Angst etwas falsch zu machen oder zu sagen ständig unsicher und angespannt ist. Ich bin die, die denkt, sie könne eines Tages eine eigene Einrichtung haben, Kinder adoptieren und Anderen helfen. Wo ich mir doch selbst nicht helfen kann. Ich bin die, mit unrealistischen Träumen und Plänen, die nicht weiß was sie wirklich will. Aber es ist im Endeffekt auch egal. Früher oder später werde ich sterben. Denn wenn mich etwas aus macht, dann, dass ich die mit den chronischen Depressionen bin, die ihr Leben nicht auf die Reihe bekommt, keine Freunde hat, weil sie sozial inkompetent ist. Das bin ich und dafür lohnt es sich nicht zu leben. Man sagt, jedes Leben sei kostbar, es gäbe immer Leute, denen ich wichtig bin, die mich lieben. Ich glaube nicht Mal, dass meine Geschwister mich lieben. Meine Mutter würde über meinen Tod auch weg kommen, weil ich genug Ärger mache. Meine Katzen würden sich einen anderen Bezugsmensch suchen. Und die wenigen Menschen, die meine Freunde sind, würden mich auch nicht vermissen, weil ich so wenig Kontakt mit ihnen habe, dass sie keinen Unterschied merken würden und ohnehin beide auch andere Freunde haben. Bessere, die normal sind. Nicht sozial inkompetent und emotional instabil. Das ist mein Grund, dass ich sterben will. Wer einen Sinn in einem solchen Leben findet, darf es mir gerne schreiben. Ich finde keinen. Heute habe ich überlebt, aus Mangel an Mitteln. Aber wie lange noch...?

Dienstag, 21. Mai 2019

The disarming case to act right now on climate change | Greta Thunberg





true. Same someone wrote in an article in german. Most people and Businesses will not change anything, as long as they can chose not to. But if a law says you have to do it, it need to be changed.
the exaample was the law for seat belts. So many were against it. VW even said, they don't want to build it in, because they're not that much into savety.
Still, nowadays every car has seatbelts and we are down from about 20.000 deaths on the street to about 8.000 or less.
So what we need is no hope, no scientists who tell us, what we need to do, but people who have the power to take the knowledge of these scientists and put them into laws who will force the countries, Businesses and all the individual people to change something.
I agree with Greta, I can't get, what is so difficult about that, if we already know how to save our earth.

Sonntag, 3. Februar 2019

~2.2.19~ Eine Runde Mitleid

Es ist wahr, ich rede - oder denke - in Bezug auf mich sehr ungern von Mitleid geschweige denn SELBST-Mitleid. Aber ich muss zugeben, ich versinke gerade in Selbstmitleid.
Auch wenn ich denke, dass viele oder gar jeder diese Situation oder ähnliche kennt, stört es mein Ego extrem, dass ich es tatsächlich wage, mich selbst zu bemitleiden. Wer sich selbst bemitleidet, der sieht doch die Dinge nicht mehr klar, der ist total Ich-zentriert und interessiert sich nicht wirklich für Andere.
Bin ich wirklich so? Ich hoffe nicht.
Na ja dazu aber vielleicht später. Erst Mal zur Situation, in der ich gerade im Selbstmitleid versinke und ein Teil von mir es nicht fassen kann während der große Rest in Trauer versinkt.
Ich komme gerade von einem Konzert, das zu Gunsten einer jungen Frau meines Ortes statt fand.
Sie hatte einen Autounfall und ist seitdem Querschnittsgelähmt.
Es gab bereits einen Spendenlauf der Realschule, an der sie gewesen war, eine Spendenaktion von der Schule, an der sie die Ausbildung machte und Spenden ihres Arbeitgebers.
Der Musikverein, in dem sie gespielt hatte, veranstaltete nun dieses Konzert. In so einem kleinen Ort wie dieser wo noch "jeder jeden kennt" kannte ich dieses Mädchen von früher. Ich kannte die Familie oder zumindest die beiden Mädchen als die, die überall beliebt waren, immer mit einem breiten Lächeln zu sehen waren, die einfach jeder kannte und mochte. Eine äquivalente Familie gibt es noch mal in unserem Ort. Sie sind aber in keinem Verein aktiv. Trotzdem sind sie überall bekannt und beliebt. Damals war ich mit den beiden Mädchen befreundet. Das hat sich dann aber recht schnell aufgelöst, weil sie immer so viele Freunde hatten, die sie treffen wollten.
So war es immer, alle meine wenigen Freunde, hatten sehr viele andere Freunde, für die immer Zeit gefunden wurde. Und ich blieb allein.
Während mein Bruder schon seit der Kindheit einen sehr guten Freund hat und meine Schwester seit der Grundschule. War ich immer die, die sehr lange keine richtig guten Freunde hatte, die mich gefragt haben, "willst du dich mit mir treffen?" Die Frage stellte immer ich und bekam oft die Antwort "Ich treff mich schon mit (füge einen Namen ein)".
Erst in der weiterführenden Schule fand ich nach einem Klassenwechsel Freunde. Diese Freundschaften lösten sich nach und nach mit Schulabschluss auf. Die beiden die am längsten bestanden hatten, da endete die Eine mit Abschluss der Ausbildung, die ich mit dieser noch gemacht hatte, oder eigentlich irgendwie schon vorher. Es war eben keine dieser Freundschaften, wo man sich einfach öfter mal außerhalb der Schule trifft. Auch die digitalen Kontakte wurden weniger. Die noch übrig gebliebene Freundin, von der ich immer behauptete es sei meine "beste Freundin" und sie selbiges von mir behauptete, "verlor" ich, während sie im Ausland war, weil ich fest stellen musste, dass sie sich genau so wenig bei mir meldete, wie jemand, mit dem ich zeitgleich Kontakt hatte, der aber keinerlei Interesse hatte den Kontakt von sich aus zu halten.
Lange Rede kurzer Sinn, ich hatte nach meiner Ausbildung im Grunde eine "so-was-wie-Freundin" mit der ich in der Ausbildung in der gleichen Klasse gewesen war.
Ich sehe sie noch heute als meine Freundin auch wenn wir auf einer ganz grundlegenden Ebene doch ziemlich verschieden sind und ich glaube, genau deshalb sich aus unserer Freundschaft, keine richtig intensive Freundschaft entwickeln kann. Mehr eben diese Klassenkameraden-Freundschaft.
Man versteht sich, man kann sich treffen und unterhalten. Viel tiefer geht es nicht.
Ich hatte auch versucht mal wieder einen Kontakt mit meiner ehemaligen besten Freundin her zu stellen, wollte mich mit ihr treffen um dann zu hören, "es wäre nett, dich mal wieder zu sehen aber ehrlich gesagt, sehe ich keinen Sinn darin, dass wir uns treffen. Wir haben uns auseinander gelebt"

Wieso ich das hier alles schreibe? Weil es alles damit zusammen hängt, dass diese junge Frau, die ich schon immer für ihre Ausstrahlung und Beliebtheit bewundert habe, nun so viel Rückhalt bekommt, jeder sorgt sich, Freunde bleiben ihr erhalten, ein ganzer Ort zeigt Anteilnahme und es steht eine starke Gemeinschaft um sie herum.
Also bin ich eiversüchtig? Nein, das auf jeden Fall nicht. Ich finde es super toll, dass mein Wohnort sich auch nicht von jemandem abwendet, wenn ihm etwas passiert und es schwierig wird. Dass Vereine, Freunde, Bekannte, ehemalige Schulen alle Rückhalt bieten. Ich finde das wirklich super toll und war heute zu Tränen gerührt.

Ich beneide sie dafür, dass sie für so viele Menschen so wichtig ist. Und ich wünsche, ich könnte die Zeit an den Tag zurück drehen, an dem dieser Unfall passiert ist.
Es klingt vermutlich bescheuert, aber wenn es die einzige Möglichkeit gewesen wäre, ihr das zu ersparen, hätte ich den Platz im Auto gewählt, an dem sie an diesem Tag fast ihr Leben verlor und so viel Freiheit verloren hat.
Denn - und hier komme ich zum Selbstmitleid - wäre mir so etwas passiert, hätte es so gut wie keinen interessiert. Die Wenigsten hätten es überhaupt mit bekommen, man hätte mich und meine Familie wohl bedauert. Aber es gibt auch jetzt keine starke Gemeinschaft um uns, kaum Freunde, speziell um mich eigentlich so gut wie keine. Wir sind nicht wirklich bekannt in unserem Wohnort.
Mehr als Bedauern hätte ich wohl nicht bekommen, es hätte sich schließlich nicht aus dem Nichts eine starke Gemeinschaft entwickeln können. Im Allgemeinen ist es eher so, dass man durch so ein Erlebnis Menschen verliert, von denen man dachte, es wären deine Freunde.
Ich denke, es wäre für viele einfach besser gewesen, wenn jemandem wie mir - im Speziellen mir - so etwas passiert wäre. Dann hätte ich aber glaube ich an diesem Tag sterben wollen. Denn ich wäre für meine Familie nur eine Last gewesen, wo sie schon genug haben. Die Einzige, die mich wohl wirklich vermisst hätte, wäre ohnehin wohl nur meine Mutter gewesen. Meine Großeltern wohl auch, aber sie wohnen ohnehin weiter weg, sodass sie mich nicht regelmäßig sehen.
Meine Schwester meldet sich so gut wie nie bei mir und auch mein Bruder schien mich während meiner fast 9 Monatigen Abwesenheit nicht wirklich vermisst zu haben.
Es hätte also keinen Unterschied gemacht, (hier ist es wieder, das Selbstmitleid) ob ich leben würde, oder sterben. Würde ich heute sterben, es würden nur einzelne in der Stadt mit der Zeit erfahren und es würde sich für niemanden, außer meine Mutter und meinen Bruder etwas ändern. Und selbst für die nicht viel. Wenn nicht sogar zum Positiven.
Das ist mir eben klar geworden, wie ich auf diesem Konzert war und diese junge Frau dafür beneidete, dass sie so vielen Menschen, so wichtig war. Dass sie scheinbar einfach von Natur aus, ein toller Mensch ist, mit dem man sich gern umgibt. Gleichzeitig schämte ich mich, weil das Konzert in einem tragischen Zusammenhang stand.
Trotzdem scheint diese junge Frau ihren Lebensmut und ihre positive Einstellung nicht verloren zu haben.
Etwas, das ich noch nie in dieser Intensität und Stärke besessen habe.
Ich habe auf einer Ebene den genetischen Jackpot. Depressionen, vererbt über mehrere Generationen. Bei mir "brachen" sie "aus" als ich etwa 5 Jahre alt war. Und ich gebe - unter anderem - dieser Erkrankung die "Schuld", dass ich nie sonderlich beliebt war, ganz im Gegenteil, in aller Regel eine Aussenseiterin war, die besten Falls zu einer Gruppe komischer Aussenseiter gehörte. Schlimmsten Falls gemobbt wurde. Ich hatte von Kindergarten-Tagen an Probleme mit meiner Entwicklung und hatte große Leistungsprobleme in der Schule.
Wer will schon Kontakt mit einem "stummen" Mädchen, das sich komisch verhält, immer total ruhig ist, kaum redet, immer deprimiert guckt und redet und dann auch noch die einfachsten Sachen in der Schule nicht hin bekommt? Wer will schon so jemanden als Freundin? Eine Person, die eher eine lästige Klette ist, die man überall mitziehen muss, weil sie nichts alleine schafft. Die ständig Zuspruch und aufbauende Worte braucht, wenn sie mal wieder in ihren Depressionen zu ertrinken droht. Oder mit anderen Worten, kurz davor ist, sich was an zu tun.
Niemand will sich mit so einer Person auseinander setzen. Was wiederum dazu führt, dass man allein bleibt, einsam ist, sich in seinem Gefühl, wertlos und unwichtig zu sein, bestärkt fühlt und nur noch tiefer in die Scheiße rutscht.

Ich hatte ganz ähnliche Gefühle an einem eigentlich sehr schönen Ereignis.
Bekannte von mir - eigentlich ist es der beste Freund meines Bruders, der - warum auch immer - mich auch eingeladen hat - hat geheiratet.
Es waren so viele Leute eingeladen, alle schienen sich zu kennen, alle hatten eine gewisse Beziehung zu einem der Beiden.
Was mir bewusst machte (und fragt mich nicht, wieso mir dann immer der Gedanke kommt "bei mir wäre das nicht so") würde ich heiraten, wen könnte ich schon einladen? Meine Geschwister, Mutter und engste Verwandten die die Gästeliste dann auf acht erweitern würden. Würde ich die einzigen beiden Personen einladen, die ich als meine Freunde bezeichne, wären es immerhin zehn Personen, die ich einladen würde, zu meinem {ach so pseudo} wichtigen Tag. Was nur statt finden kann, wenn ich überhaupt erst Mal einen Freund habe, der wiederum eine längere Beziehung mit mir aushält und ernsthaft in Betracht zieht, mich zu heiraten.
Was schon Mal höchst unwahrscheinlich ist, da die Leute in meinem Umkreis nicht sonderlich lange in eben diesem erhalten bleiben. Beziehungen hatte ich sowieso nur eine und die war ein Witz. Danach folgten viele Verliebtheiten meiner Seitz, die von der anderen Seite nie erwiedert wurden.
Während also um mich herum meine ehemaligen Freunde heiraten, stehe ich noch fast am gleichen Punkt, wie dem, an dem ich stand, als ich eben diese Personen noch als meine Freunde bezeichnete.
Und frage mich immer wieder "Welchen Unterschied würde es machen, wenn ich morgen nicht mehr da wäre?" und komme immer zur gleichen Antwort. Für die aller meisten Menschen gar keinen. Die an einer Hand abzählbaren Personen, für die es mehr oder weniger einen Unterschied machen würde, da wäre es schlimm, wenn nicht. Wenn nicht ein Mal die Familie einen vermissen würde. Und selbst da würde ich behaupten, dass sich selbst das in Grenzen halten würde.
Natürlich, ich bin nicht naiv, ich weiß, es gibt Menschen auf dieser Welt, die haben noch nicht ein Mal die engste, kleinste Familie. Keine Geschwister, keine Eltern, keine Großeltern.
Deshalb nenne ich es jetzt doch bewusst Selbstmitleid. Ich habe zumindest noch zwei Katzen, die mich lieben und meine Familie hat drei Hunde, die mich wohl auch lieben. Ich habe eine Mutter, die mich irgendwie liebt, einen Bruder und eine Schwester die mich vielleicht irgendwie lieben und womöglich auch irgendwie vermissen würden.
Ich sollte eigentlich dankbar sein, für das, was ich habe. Und ich versuche es auch, wirklich. Aber ich kann es irgendwie einfach nicht. Trotzdem fühle ich mich immer wieder einsam, völlig allein und komplett unwichtig.
Wie schaffen es diese Menschen, das sie im Ort bekannt und beliebt sind und selbst über die Ortsgrenzen hinaus Bekannte haben? Wie kann es dann auf der anderen Seite sein, dass in der gleichen Stadt eine junge Frau ist, etwa im gleichen Alter, von der gleichen Schule, die sogar zu zwei dieser prominenten Mädchen ein Mal eine Freundschaft hatte, sich so allein fühlen? So allein und einsam sein? Was ist der Unterschied zwischen denen und mir?
Antwort: Sie strahlen von Innen. Sie haben immer ein Lächeln auf dem Gesicht. Ein echtes. Und in ihren Augen strahlt eben dieses Lächeln. Sie haben eine positive Ausstrahlung, eine angenehme Art. Kurz, man hat sie gerne um sich. Und so können -und müssen - diese Menschen wählen, wen sie um sich haben wollen.
Ich habe eben nicht eine solche positive Ausstrahlung. Noch nie gehabt. Mein Lächeln ist nur selten durch und durch echt. In meinen Augen spiegelt sich wohl kaum etwas außer Depression, eine Traurigkeit, mit der sich niemand auseinander setzen will. Meine Worte, die keiner hören will. Weil sich eben niemand gerne mit negativen Menschen auseinander setzt.
Während selbst die seltsamsten ehemaligen Klassenkameraden der Grundschule ihren Freundes-und Bekanntenkreis haben, habe ich aufgegeben, daran zu glauben, jemals eine solche starke Gemeinschaft um mich zu haben. Spürbar gemocht zu werden, für genau das, was ich bin, habe ich aufgehört zu suchen. Aufgehört, erzwingen zu wollen und habe die Einbildung abgelegt, dass ich so etwas ein Mal haben könnte.
Selbst wenn ich es ein Mal aus meiner Depression schaffen werde, wirklich positiv wäre, im Leben stehen würde, wäre ich noch immer...Ich, nur Ich. Und ich war eben noch nie ein Mensch, den man gerne um sich hat und werde es wohl kaum irgendwann werden.
Entweder man ist ein solcher Mensch oder man ist keiner. Ich bin ein eben solcher Mensch, den kaum jemand um sich haben will, geschweige denn für längere Zeit.

Eine weitere Erkenntnis macht mir mein vor mich hin siechen schwer.
Ich bin auf der Suche nach Möglichkeiten, nebenher am Besten Ortsunabhängig Geld verdienen zu können. ich stieß auf die Idee, einen Online Kurs zu machen, den ich dann auf einer Seite zum Kauf anbiete. Entsprechende Seiten, auf denen man diese Kurse erstellen und zum Kauf anbieten kann, gibt es ausreichend. Nur...worüber sollte ICH einen Kurs machen?  Was weiß oder kann ich, was ich anderen weiter geben könnte und das dann auch tatsächlich Andere interessiert?
Bis heute ist mir nichts eingefallen.
Während sich das, doch auf einen digitalen Bereich bezieht, wo man auch ein gewisses Wissen braucht um überhaupt so einen Kurs mit Inhalt voll zu bekommen, ist ein anderer Bereich viel simpler. Trotzdem nicht vielversprechender.
Meine Schwester plant ihre Hochzeit und sie hätte gerne, dass mein Bruder und ich jeder etwas dazu beiträgt. In welcher Art, das sollen wir uns ausdenken.
Nun, ich kann nicht basteln, das macht meine Schwester ohnehin mit meinen Großeltern. ich bin auch sonst nicht sonderlich künstlerisch begabt. Ich kann Gitarre spielen, das aber auch nur einfach gehalten. Singen kann ich nicht. Ich bin überhaupt nicht gut im Reden halten, geschweige denn lustige Reden.
Ich habe ein gewisses Talent zum Schreiben. Bekomme aber nie eine Geschichte fertig. Meine Blogs sind auch kein Renner, was nicht gerade für den Inhalt und Schreibstil spricht.
Was kann ich denn dann eigentlich überhaupt?
Und das war der Punkt, an dem mir auffiel, dass ich eigentlich nichts wirklich gut kann.
Ich liebe Kinder und kann ganz gut mit ihnen spielen. Eine gute Fachkraft zu sein, fällt mir trotzdem schwer. Ich habe ein gutes Allgemeinwissen, das ich die meiste Zeit nicht abrufen kann. Ich habe Wissen in Pädagogik und Psychologie, was ich bei der Arbeit die aller meiste Zeit ebenfalls nicht abrufen kann.
Ich kann nicht zeichnen, malen, modellieren, Theater spielen, Vorträge halten.
Ich kann Menschen in Bogenschießen einweisen, vermute aber, dabei recht schnell ebenfalls extremst nervig zu sein.
Ich kann an einem Kiosk Getränke, Eis und Schokoriegel ausgeben. Sobald es zu größeren Rechnungen zu Zahlen kommt, habe ich wieder meine Schwierigkeiten.
Ich kann eine Kasse so weit bedienen, wie man es mir gezeigt hat.
Und was kann ich damit bitte anfangen?
Das Einzige, worin ich wirklich gut zu sein scheine ist, mich selbst zu bemitleiden, in Depressionen und Pessimismus zu versinken und alles schlecht oder als Unerreichbar zu sehen.
Und im Träumen. Ich träume mich weg von meinem echten Leben, ich mache große Pläne, die ich nie erreichen kann. Ich tauche in die Romane ein, die ich lese und stelle mir vor, ich würde dort leben.
Ja darin bin ich gut. Etwas sinnvolles und hilfreiches habe ich noch nicht gefunden, in dem ich gut bin.
Und jetzt verbiete ich mir, mich weiter selbst zu bemitleiden und geh lieber ins Bett, wo eine verschmuste Katze auf mich wartet. Eine der wenigen Lebewesen auf dieser Erde, die mich glücklich macht, der ich wichtig zu sein scheine und die mich einfach nimmt, wie ich bin. Solange ich ihr immer schön Futter gebe 😂

Samstag, 27. Oktober 2018

Wie alles begann


Wir schreiben das Jahr 1999. Ein kleines Mädchen wird in diesem Jahr fünf Jahre alt. Und es verändert sich.
In diesem Jahr, wird bei ihr und ihren beiden Geschwistern AD(H)S diagnostiziert. Das Aufmerksamkeits Defizit (Hyperaktivitäts) Syndrom.

(Anmerkung 2018: Heute nennt man es Störung und nicht mehr Syndrom)

Bei ihr wird ein Mischtyp fest gestellt, es hat also sowohl den "Träumertyp" als auch den so genannten "Zappelphilip" Typ. Mal überwiegt das Eine, mal das Andere.
Ihre Eltern haben gemerkt, wie sie sich während dem ersten Kindergartenjahr zwischen drei und vier Jahren begann zu verändern. Und von einem selbstbewussten und gut gelaunten Kind, zu einem unsicheren, unzufriedenen und nörgelnden Kind wurde.
Ihre Eltern wussten nicht was los war, sie konnten sich nicht erklären, wodurch diese massive Veränderung zustande kam.
Parallel zeigte das Mädchen Entwicklungsverzögerungen. Große Probleme mit der Feinmotorik, Schwierigkeiten mit dem Farben lernen. Es wollte lernen, aber es konnte sich mit 5 Jahren noch immer nicht die Farben merken. Ihre Entwicklung verlangsamte sich noch mehr und blieb am Ende quasie "stehen".
Durch die Diagnose ADHS bekamen sie und ihre Geschwister fortan Medikinet. Das im Grunde das Gleiche wie Ritalin ist. So nachvollziehbar die Debatte über Medikation im Kindesalter auch ist, für dieses Mädchen war die Medikation das Ticket in die Regelschule. Andernfalls wäre das Mädchen sicher auf einer Förderschule gelandet.
Lässt man all die Nebenwirkungen der Medikamente ein Mal ganz außer Acht, war das Medikinet für sie, sowie für ihre Geschwister eine große Hilfe um in der Schule bestehen zu können. Oder eher funktionieren zu können.
Das kleine Mädchen wollte lernen, es konnte es kaum erwarten endlich in die Schule zu kommen und lesen und schreiben zu lernen. Deshalb spielte es auch immer mit den dicken Märchenbüchern, tat so als könne sie schon lesen und würde etwas sehr wichtiges lesen.
Es war wissbegierig und hatte so viele Fragen zu allem. Zu Tieren, zur Natur, zu Menschen, zu Autos, zu Wasserhähnen und wo eigentlich das Wasser her kommt und wo es dann hin geht wenn es in den Abfluss läuft. Wie der Mensch entstanden ist oder der Frage "Was war zuerst da, das Ei oder das Huhn" mit deren Beantwortung sich das Mädchen zum Verzweifeln brachte, weil es keine Antwort finden konnte. Ebenso wenig konnte es eine Antwort auf die Frage finden, was denn der Sinn des Lebens sei, wieso sie denn überhaupt lebte, wieso die anderen Menschen lebten. Wie es sein konnte, dass etwas unendlich lang, breit, hoch und tief ist, wie das Universum. Wieso es regnete und wo das Wasser überhaupt her kommt. Wie Wasser entsteht und so weiter. Ja dieses kleine, junge Mädchen war schon sehr früh ein kleiner Philosoph und wurde mit vielen Überlegungen allein gelassen. Wohl seine Mutter nicht realisierte, wie ernsthaft sich das kleine Mädchen in ihrem Kopf mit diesen Themen befasste und so manches Thema wie der Sinn des Lebens oder wo der Mensch denn her kam sie zum Verzweifeln brachte.

(Zwischenbemerkung: Man bemerke, das Kind war zwischen 4-6 Jahre alt, hatte Entwicklungsverzögerungen und AD(H)S. Dumm war es allerdings ganz und gar nicht.)

Wohl können sich viele gar nicht vorstellen, dass Kinder im Kindergartenalter, womit sie bei manchen noch als "Kleinkind" gelten, sich solche tiefgründigen Gedanken machen können.
Einer dieser tiefgründigen Gedanken war, dass das kleine Mädchen immer wieder gar nicht mehr auf der Welt sein wollte. Wenn ihm alles zu viel wurde, die Gefühle sie übermannten und sie nicht weiter wusste, keine Antworten fand und ihre Gefühle sie sich so schlecht fühlen ließen, dann wünschte sich das Mädchen, nicht mehr auf der Welt zu sein. Es wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass es dafür sterben müsste. Es wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht ein Mal, dass jeder Mensch ein Mal sterben muss. (Und ja, auch wenn das für Ältere ein selbstverständliches Allgemeinwissen ist, ist das für junge Kinder keine Selbstverständlichkeit. Schließlich wird man nicht mit dem Wissen geboren, eines Tages sterben zu müssen.)
Es wünschte sich einfach an einen Ort, von dem es der Meinung war, dass es diesen nicht auf der Erde gibt.
Wer sich jetzt das Paradies vorstellt, liegt falsch. Der Ort, den sich das Mädchen vorstellte, war das Nichts. Es war dunkel um das Mädchen, man sah keine Wände, keine Tür, es gab kein Licht. Nur das Mädchen konnte sich von Außen sehen, wie es mit angezogenen Beinen da saß. Und es fühlte sich seltsamer Weiße mit dieser Vorstellung gut. Es wünschte sich an diesen Ort. Möglicher Weiße entstand dieser Ort aus den Bildern, die sie in einer Dokumentation über das Weltall gesehen hatte. In eben dieser, in der sie auch lernte, dass das Weltall unendlich war.
Trotzdem ein sehr untypischer Ort an den sich ein Kind wünscht.
Und dieses Kind, dieses kleine Mädchen, das war ich.
Wie es mit dem kleinen Mädchen - also mit mir - weiter geht, kannst du in diesem Blog lesen.